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the poems

Boris Eldagsen beschäftigt sich mit einer scheinbar paradoxen Frage: Wie lässt sich mit dem sicht- und fassbaren Material, das die Welt darbietet, etwas Ungreifbares, nämlich das Unbewusste darstellen? Der Fotograf öffnet Fenster zu einer inneren Wirklichkeit, und er zeigt psychologische Strukturen auf, die jenseits von Raum und Zeit, jenseits erlebter Realität liegen. Es ist wie in einem phantastischen Traum – ein Traum, den jeder träumen könnte: Die Betrachter seiner Werke sollen sich den eigenen Gefühlen und Erinnerungen, dem eigenen Unbewussten stellen.

Was ist Wirklichkeit, was ist Wahrheit? Boris Eldagsen fand bald heraus, dass es selbst unter den Fachleuten für derlei grundlegende Fragen, den Philosophen, nicht die eine, absolute richtige Antwort gibt. Für sein eigenes Arbeitsfeld bedeutet dies, dass er die traditionelle Dokumentarfotografie ablehnt und sich für alles interessiert, was mit dem Nicht-Eindeutigen zusammenhängt, von Religion, Mystizismus und Magie über Romantik, Symbolismus, Surrealismus bis hin zur Psychoanalyse eines C. G. Jung.

Auch kann er – mit Ausnahme einiger Japaner – kaum Fotografen als Vorbilder nennen, vielmehr sieht er sich als Künstler, der mit Fotografie arbeitet. Er verweist auf Maler wie Hieronymus Bosch, Rembrandt, William Blake, Arnold Böcklin und Max Ernst, sowie auf die Filme Peter Greenaways und des chilenischen Surrealisten Alejandro Jodorowsky. „Als Fotograf muss man sich an Konventionen halten, an technische Regeln, aber als Künstler kann ich alle Regeln brechen.“

So inszeniert die Fotos gelegentlich wirken mögen: Eldagsen braucht kein Studio, er kann ohne großen Aufwand überall arbeiten. Seine wenigen Eingriffe und Veränderungen erfolgen in erster Linie durch den Einsatz von Licht, sei es aus natürlicher, sei es aus künstlicher Quelle. Und zum Licht gehört natürlich die Dunkelheit: nahezu alle Fotos sind als Nacht-Szenen angelegt; in der Tat wirkt die Welt bei Nacht wie verwandelt. Was uns wieder zu Eldagsens zentralem Thema führt, dem Traumhaften, Irrealen, Subjektiven. Außerdem hat die Dunkelheit den praktischen Vorteil, dass der Fotograf alles fortlassen kann, was ihm nicht ins Konzept passt.

Diese Aufnahmen erzählen keine eindeutigen, linearen Geschichten, sondern sie sind wie ein Gespräch mit den eigenen Gefühlen und Erinnerungen. Der Fotograf nennt die Serie The Poems. Wie Gedichte haben die Fotos eine offene, vieldeutige Struktur; es geht um das Geheimnisvolle, Assoziative, das tief in die geistigen und körperlichen Erinnerungen hineinreicht. Man sollte die Fotos weniger mit dem Verstand, als mit Herz und Seele sehen und deuten, sie stellen mehr Fragen als sie Antworten geben. Boris Eldagsen sagt dazu: „Als ich 1991 mit dem Studium von Kunst und Philosophie begann, hoffte ich, Antworten zu finden auf die ewigen Fragen. Mittlerweile habe ich verstanden, dass dies unmöglich ist. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, diese Fragen zu präzisieren – und mich daran zu erfreuen, keine Antworten zu haben.“

Werke

Biographie

1970 geboren in München
1991-92 Studium Medien und Drama, Philosophie und Germanistik, Albertus-Magnus-Universität Köln
1994 Kunststudium (Prof. Laxma Goud), Sarojini Naidu School of Performing Arts, Fine Arts & Communication, Hyderabad, Indien
1995 Studium Conceptual Art, Intermediate Studies (Prof. Miloš Šejn, Prof. Milan Knížák )
Akademie der Künste, Prag
1992-98 Studium Bildende Kunst (Prof. Vladimir Spacek, Prof. Klaus Vogelgesang), Akademie für Bildende Künste Mainz; Studium Philosophie, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
2013 Meisterklasse Roger Ballen, Photofestival Belfast

Seit 2004 eine Vielzahl von Vorträgen, Workshops und Gastprofessuren in Mainz, Melbourne, Edinburgh, Leipzig, Wien, Frankfurt am Main, Hamburg und Berlin

Einzelausstellungen (auswahl)

2015 The POEMS, Kommunale Galerie, Berlin
2014 The POEMS, Galerie Voies Off, Arles, Frankreich
2009 Monitoring, Kunstverein Kassel, Fridericianum, Kassel
2008 No Cure, Australian Centre of Photography, Sydney, Australien
2007 I took a deep breath, Biennale of Electronic Arts Perth, Perth Institute of Contemporary Arts, Australien

gruppenausstellungen (auswahl)

2016 Singapore International Photography Festival”, Singapur
SUPERHIGH Yourself, Bundeskunsthalle, Bonn
Projektion – Fotografische Behauptungen, Kunsthalle Darmstadt
2015 Sacro E Profano, Photolux Biennale, Lucca, Italien
Festival International de Fotografia, Belo Horizonte, Brasilien
PULSE, Noorderlicht Festival, Groningen, Niederlande
Festfoto, Porto Algre, Brasilien
Evidence, Format International Photography Festival, Derby, Großbritannien
2014 Hope & Faith, Encontros da Imagem, Braga, Portugal
Young Art Night, Van Abbemuseum, Eindhoven, Niederlande
2013 Whatever happened to God?, Halle 14, Leipzig
2012 MAK Oracle Nite, Museum für angewandte und Gegenwartskunst, Wien, Österreich
Expanded Cinema, Moscow Museum of Modern Art, Moskau, Russland
2nd Internet Pavilion for the Venice Biennale, Accademia di Belle Arti di Venezia, Venedig, Italien
2011 FestArte VideoArt, Museo d’Arte Contemporanea Roma, Rom, Italien
New Media, Sex and Culture in the 21st Century, Museum of New Art, Detroit / USA
2009 WRO’09, 13th Media Art Biennale, Wrocla, Polen
2008 Monitoring, Fridericianum Kunstverein, Kassel
2007 Körber-Preis für Fotografie 2007, Deichtorhallen Hamburg

Für weitere Informationen gehen Sie bitte zur Website des Künstlers.