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Seit der Mitte der 1990er Jahre schuf Christine Krämer ein Jahrzehnt hindurch eine Gemälde-Serie von außerordentlicher Präsenz. Die Bilder, alle im selben mittelgroßen Format, zeigen ebenso markante wie rätselhafte Strukturen, die nicht klar zu benennen sind. Die Formen erinnern an Lebendig-Organisches, etwa Zellen, Arterien oder rote Blutkörperchen, es können aber auch Schlangen oder Amöben sein, oder ein Rohrgeflecht – oder einfach nur schöne Ornamente. Die Motive folgen einer strengen Ordnung, doch die Künstlerin nimmt sich die Freiheit, die klaren, eindeutigen Strukturen durch kleine Abweichungen und die Lebendigkeit der Pinselführung immer wieder aufzubrechen.

Es liegt nahe, diese Spannung zwischen einem vorgegebenen Raster und der individuellen Abweichung als eine Allegorie unseres Daseins zu verstehen: Wir alle folgen mehr oder weniger den vorgegebenen, im einzelnen Menschen wie in der Gesellschaft angelegten Prinzipien, und doch ist jedes Leben einzigartig. Die strenge Flächigkeit der Bilder, die kein Eindringen in einen Tiefenraum ermöglicht, mag als Zeichen dafür gelten, dass wir danach streben, das Geheimnis dieses Rasters – des Lebens – zu ergründen, dass uns das aber sehr nur selten, falls jemals gelingt. In einer Metapher spricht sie vom Wunsch, die Küste jenseits des Horizonts zu erreichen, obwohl es keine Hoffnung gibt, dort Wärme oder Leben zu finden. Eindeutig: Christine Krämer ist eine Romantikerin.

Um so erstaunlicher mag es sein, dass die Künstlerin sich in den letzten Jahren ausführlich dem wohl „kühlsten“ Medium unserer Zeit zugewandt hat und Werke produziert, die sie „Computations“ nennt. Diese Arbeiten setzen ihre früheren Überlegungen fort, wenn auch modifiziert. Die Werke repräsentieren künstliche Landschaften, die über unsere gewohnte dreidimensionale Welt-Erfahrung hinaus gehen und eine neue Wirklichkeit erzeugen. Der Theoretische Physiker Andreas Krämer entwickelte mathematische Modelle, die mit Hilfe des Computerprogramms Ray Tracer in Bilder umgesetzt werden. Die Schönheit dieser Modelle findet ihre Entsprechung in Christine Krämers Images, die zwischen Realität und Abstraktion changieren und eine neue Form von synthetischer, kosmischer Landschaft darstellen.

„In ihren Computations fahndet die Künstlerin nach Formen räumlicher Inkonsistenz, räumlicher Widersprüche, räumlich fehlender Übereinstimmung und Unklarheiten. Konzeptionell geht es um Mehrdeutigkeiten, Doppeldeutigkeiten, die das Vermögen haben, unsere Wahrnehmung des dreidimensionalen Raums durchzurütteln.“ (Christoph Tannert)

Werke

Biographie

1959 geboren in Kopenhagen
1983-89 Studium der Malerei an der Hochschule der Künste Berlin, Meisterschülerin bei Prof. Martin Engelmann
  Lebt in Berlin

STIPENDIEN

1991 Goldrausch-Künstlerinnenprojekt ” Ohne Kompromiss”
1992 Stipendium für Frauen des Berliner Senats für kulturelle Angelegenheiten
1993 Arbeitsstipendium des Berliner Senates für kulturelle Angelegenheiten
1997 Arbeitsstipendium Kunstfond Bonn
1998 Arbeitsstipendium Kunstfond Berlin

Ausstellungen (S=Solo)

2016 Querschnitt 1, Busche, Berlin
Ambilateral, Kunst im Schinkel-Bau, Altlangsow (S)
2015 Galerie Oqbo, Berlin, mit Katharina Karrenberg (S)
1998 Fünf malerische Positionen, Busche Galerie, Berlin
Junge Kunst international, Overbeckgesellschaft, Lübeck (Katalog)
1997 Korrespondenzen, Berlinische Galerie, Martin-Gropius-Bau, Berlin; Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh (Katalog)
1996 Panoptik, Alt-Stralau, Berlin
1995 Galerie Busche, Berlin (S)
1994 Galerie Vincenz Sala, Berlin (S)
1993 Kunst-Sprache, Kunstwerke, Berlin
1992 Was der Mensch so braucht, Bergmannstr.110, Berlin (Katalog)