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Jedes Gemälde Florian Pelkas erzählt seine eigene, vertrackte Geschichte – und nicht jede ist so leicht zu verstehen, wie die von Dornröschens Träumen: Wie im Märchen der Brüder Grimm beschrieben, erwacht die junge Frau aus ihrem Schlaf, der gläserne Sarg zerspringt, die blutrote Rosenhecke öffnet sich und wird dem Jüngling, der sie wachküssen soll, den Weg freigeben. Doch wo ist der junge Mann? Und was will der Zwerg mit Zipfelmütze, was sollen die Lemuren mit ihren weiten Augen und langen Ohren, und vor allem: Warum ist ausgerechnet der giftgrüne Frosch, der in Dornröschens Geschichte nur eine marginale Rolle spielt, die Hauptfigur? Die Szene ist eben, wie der Titel uns wissen lässt, ein Traum Dornröschens, und Träume folgen ihrer eigenen Logik.

Die Figuren und Objekte in den Bildern Florian Pelkas sind für sich, oder in ihrer Zusammenstellung, vielfach phantastisch, irrational. Die hauptsächliche Verstörung wird aber durch die Farbe erzeugt. Farben beherrschen die Szenerien. Sie sind sind kräftig, schrill, psychedelisch, bengalisch, scheinen vom Farbfernseher oder von Neon-Reklamen inspiriert zu sein. Ein Glutrot trifft auf frisches Blau, dagegen steht lebhaftes Grün, sonnenverbranntes Gelb. Diese Farben gewinnen einen Eigenwert, und das nicht nur als greifbare Materie auf der Leinwand; sie haben sich von den Gegenständen gelöst und sind selbst physische Objekte. Sie schlängeln sich als dreidimensionale Bahnen durch die Räume, winden sich als lebendige Wesen zwischen den Objekten und Figuren hindurch und stellen allen Realismus in Frage.

Farbe, die – anders als Sujets oder Stile – gewissermaßen „ewig“ ist, unterstützt den Aspekt des Zeitlosen, der durch Pelkas märchenhafte, mythische Themen bereits vorgegeben ist: mit Venus, Leda, Dornröschen, oder auch Nacht und Ruhm benennt der Künstler seine Werke. Gleichzeitig sind die Bilder völlig gegenwärtig, im Heute verwurzelt, und auch hier ist die Farbe entscheidend beteiligt – mit ihrem besonderen Kolorit und in ihrer Art der Verwendung: die expressive Geste ist stets geprägt durch den Moment der Entstehung. Diese Verbindung von Überzeitlichkeit und vollständiger Gegenwärtigkeit zeichnen die Bilder aus. Man spürt das Bemühen des Künstlers, der hektischen Gegenwart, dem flüchtigen Moment etwas Bleibendes entgegenzusetzen; und die Erkenntnis, dass das am Ende doch nicht gelingen kann, weil eben alles vergehen muss, verleiht den Werken eine gewisse Wehmut.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage des Künstlers: Florian Pelka.

Biographie

1971 geboren in Berlin
1990-91 Westafrika
1991-97 Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft an der FU Berlin (Erstes Staatsexamen)
1993-94 Jahresstipendium des DAAD an der Universität Paris VIII, Philosophie / Ästhetik (Licence)
1994-2000 Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin (Erstes Staatsexamen), Klasse Georg Baselitz
2001 Meisterschüler bei Prof. Baselitz
1999-2001 Mitarbeiter in Bereich Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften der Universität der Künste Berlin
2001-05 Dozent für Visuelle Kommunikation, Mediadesign Hochschule
2006-07 Lehrauftrag für Malerei an der Berliner Technischen Kunsthochschule
2011 Leitung der Malereiklasse am Schloss Rotenfels für die Kulturakademie, Stiftung Baden-Württemberg

Einzelausstellungen (Auswahl)

2016 „Die Tiere sind unruhig“, Kunstverein Kaponier, Vechta
2015 “Raubzug“, Städtische Galerie und Kunstverein Wesseling, Köln
2014 “LoveMeOrHateMe”, Galerie Tammen, Berlin
“Klippo”, Kunstverein Schloss Altranft, Freienwalde
2013 “Zweifel und Wunder”, Städtische Galerie Wollhalle, Güstrow
„Love Lights“, Galerie Kramer, Bremen
2012 „Der Faun des Königs“, Kunsthalle Schloss Seefeld, München
„Geräusche im Garten“, Galerie Tobias Schrade, Ulm
„ist zwîfel herzen nâchgebûr“, Galerie Greulich, Frankfurt
2011 „Similis -Affe sein“, Galerie Souterrain, Berlin
2010 „edel.hilfreich.gut.“, Galerie im Tulla, Mannheim
„Beim Verlassen der Ebene“, Galerie Greulich, Frankfurt
2009 „Die Sieben Todsünden“, Tammen Galerie, Berlin
„Schmelz, Schaum und Schande“, Galerie Tobias Schrade, Ulm
„Isometrie und Chaos“, Robert Koch-Institut, Berlin
2008 „Florian Pelka“, Galerie Arthea & Lauth, Mannheim
„The Seven Deadly Sins“, Gallery Artbank, Seoul, Korea
„Polymerisation“, Robert-Koch-Institut, Berlin
„Trug und Trophäe“, Kunsthalle am Ammersee, Stegen
2006 „Florian Pelka“, Tammen Galerie, Berlin
„Florian Pelka“, Mainforum, Zentrale der IG Metall, Frankfurt
„Interferenzen“, Kunstverein Cottbus, Stiftung spi
2004 „Colorado“, Galerie Tammen & Busch, Berlin
2002 “Junge Positionen zeitgenössischer Malerei” (mit Jörg Sticher), Galerie Tammen & Busch, Berlin

gruppenausstellungen (auswahl)

2015 „animal turn“, Galerie Greulich, Frankfurt
„Sterntaler“, Galerie Lake, Oldenburg
„Märchenhaftes“, GEHAG-Forum, Berlin
2014 „Stille Nacht“, Kunstverein Schwetzingen, Schlosskirche
„berlin@oderbruch“, Falkenberg und Schinkelkirche Cöthen
2013 „P’art“ Symposium, Schloss Laffert Kúria, Dunaharaszti, Budapest
„Jetzt machen wir hier die Witze“, Museum für verwandte Kunst, Köln
2012 „Renaissance der Gesichter“, Philipp-Johnson-Haus, Berlin
2011 „Color & Style“, Kunsthalle M3, Mengerzeile, Berlin
„Shadows of the Bright“, Galerie berlinartprojects
2010 „Tierparade“, Galerie Lake, Oldenburg
„Fundstücke“, Galerie Arthea & Lauth, Mannheim
2009 „Tatort Kunst_reloaded“, Ausstellungsmanufaktur Hertzer, Berlin
„Schauseiten der Materie“, Tammen Galerie, Galerie Gaulin, Berlin
2008 “Mensch-Raum-Landschaft”, Willy-Brandt-Haus, Berlin
2006 “Sammeln und Entdecken”, Galerie Schrade-Blashofer, Karlsruhe
2005 “Berlin meets Teheran”, Tammen Galerie, Berlin
„131“, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
2004 „Luxus“, Löwenpalais, Stiftung Starke, Berlin
„all about…berlin 2“, white box, Kultfabrik, München
2003 „Zeitgenössisch“, KPM, Berlin
2002 „Kunstpreis 2002“, Schloss Gifhorn
2000 „Schaustelle 5“, Galerie Giesler und Partner, Berlin
1999 „Schaustelle 4“, Galerie Michael Schultz, Berlin

Werke