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Stefan Roigk ist sowohl Klangkünstler als auch Bildhauer und Zeichner. Seine Werke sind Skulpturen und klingende Objekte, Klangcollagen und Installationen. Ein Symbol dieser Arbeit sind die Kabel, die für das Fließen von Energie und Sound-Informationen stehen, aber auch für das Strömen von Körperflüssigkeiten. Schließlich ist es die Spannung zwischen Realität und Abstraktion, die das Werk prägt.

Die Klänge und Laute destilliert Roigk aus dem Alltag oder er erzeugt sie mit alltäglichen Gegenständen: das Brummen von Kraftfahrzeugen und Kassettenrekordern; Mundgeräusche und raschelndes Gummispielzeug; das Ausschlagen nasser Stoffwindeln. Da sind die Geräusche unserer Wohnung – Heizungsgerassel, Stuhlrücken – ebenso vorhanden, wie die körpereigenen Lauterzeugungen: Kreischen, Fingerschnippen, Wispern, Röcheln, Puls und Pusten. Nicht zuletzt geht es um die Geräusche, die unsere Umgebung aus Technologie und Plastik erzeugt: Netzbrummen, Sinuswellen und Styroporknacken, der Sound von Noppenfolie und Einweggeschirr.

Wenn das alles zum Pusten, Reiben, Knistern, Kratzen und Quietschen ist, wie Roigks Klangbeschreibungen aussagen, dann weisen diese Sound-Angaben darauf hin, dass die Geräusche zwar einen konkreten Ursprung haben, aber auch abstrakt gemeint sind. Da werden sowohl – rätselhafte, spannende – Geschichten erzählt als auch bloße Klang-Strukturen erzeugt.

Auch bei den Objekten steht die abstrakte Form gleichwertig neben dem Objekthaften und möglichen Assoziationen zur Realität. Bei den frühen Arbeiten hat Roigk einen eher minimalistischen Ansatz, bei den späteren gleicht der collagenhafte Aufbau mehr der Struktur des Klangs. Walkman kommt als Mischung von Kinder- und Abfallwagen und Rollator daher, upOmorning erweckt Assoziationen an Krankenhaus-Betten, upat6es&7s könnte das dazugehörige Isolationsgehäuse sein. Wer jemals einen Krimi mit Leichenhalle oder eine Krankenhaus-Soap gesehen hat, weiß, wozu die mehrfach vorhandenen Abflüsse vorhanden sind. Abstoßendes Plastik-Material betont die Künstlichkeit der Szenerien.

Eine kleine Armada von Abfällen, die Roigk z.T. über einen längeren Zeitraum sammelt, vereint expanded music: Da liegen in Silikon und Papiermaché verwandelte Bruchstücke von Pappgeschirr neben Gummimatten, Lautsprechern und immer wieder Kabeln. Über den Fußboden verstreut, erinnern sie an eine Partitur von John Cage oder das freie Fließen der Farbe bei Jackson Pollock – beide Künstler haben Roigks Arbeit entscheidend beeinflusst. imaginary soundscape no. 6 ist die einzige Arbeit, die ohne Ton auskommt, sie steht – als Hommage an Cage – in der Tradition virtueller Musik. Um so expressiver wirken die Formen aus schwarzem Silikon: Wie so oft bei Roigk kommen Hitchcock-Thriller in den Sinn, hier seine Vögel, bei manchem Stakkato eher Psycho.

Am Ende geht es Stefan Roigk nicht nur um die spartenübergreifende Verbindung von Skulptur und Klang, sondern – für ihn selbst – um eine Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten und – für uns, das Publikum – um eine Steigerung der Wahrnehmung. Man kann auch sagen: Es geht ihm um Kunst mit größtmöglicher Welthaltigkeit.

Biographie

1974 geboren in Bückeburg
1996-1998 Studium Visuelle Kommunikation; FH Hannover
1998-2001 Studium Klangkunst und Bildhauerei bei Ulrich Eller und Dietrich Klakow; FH Hannover
2001-2002 Meisterschülerabschluß bei Ulrich Eller, FH Hannover
  Lebt und arbeitet in Berlin

einzelAusstellungen (Auswahl)

2015 “frombergMIX 2015” ESS, Audible Gallery, Chicago
“Entre limites / zwischen Grenzen” (mit Mario de Vega), MACAZ Museo de Arte Contemporaneo Alfredo Zalce, Morelia, Mexiko
2014 “expandedMUSIC”, Rumpsti Pumsti (Musik), Berlin
“bursting confidence”, Le Bon Accueil, Rennes
2013 “expanded”, Atelier Grammophon, Hannover
“Imaginary Soundscape No. 6”, Kunstraum Michael Barthel, Leipzig
“bursting confidence”, Singuhr Hörgalerie im Kunsthaus Meinblau, Berlin
2012 “Doublette”, Kunstraum Michael Barthel, Leipzig (mit Daniela Fromberg)
2011 “Long overdue. Or a total waste of audio flashbacks?”, Kunstverein Celle
2010 “Crystal Castle”, Ausland, Berlin
“The line between”, Kunstraum Michael Barthel, Leipzig
2009 “Air. Campink”,  O’Artoteca, Mailand (mit Antonio O’Connell)
“Swarm”, Kuttner Siebert Galerie, Berlin
2007 “Black Out”, Kuttner Siebert Galerie, Berlin (mit Karin Hueber)

gruppenAusstellungen (Auswahl)

2015 “EXTENDED COMPOSITIONS”, Kunstquartier Bethanien, Berlin
2013 “The End is the Beginning”, The Wand, Berlin
“Marler Medienkunst-Preise 2013”, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl
“Skan II”, Skan II, Riga
2012 “Believe / Glauben”, Neue Kunst in Alten Gärten, Lenthe
2011 “Drawings, sounds & ambiences”, Fishing Art & Aound e.V. ,Cuxhaven
“Inside out”, Kunstallianz 1, Berlin
2010 “I’m using a chicken to measure it”, Galerie Hunchentoot, Berlin
2009 “Ostrale 09. Internationale Ausstellung für zeitgenössische Kunst”, Ostragehege, Dresden
2008 “Worpswelten”, Kunstverein Göttingen
“Spielend. M1”, Arthur-Boskamp-Stiftung, Hohenlockstedt
“It happens to be this”, Künstlerhäuser Worpswede
2006 “Apparatus” Program, Berlin
“Sonambiente 2006”, Akademie der Künste, Berlin

STIPENDIEN, PREISE (auswahl)

2015 Förderstipendium für Klangkunst. Braunschweig Projects. Hochschule für bildende Künste Braunschweig und Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
2013 Jahresstipendium für bildende Kunst, Stiftung Kunstfonds, Bonn
Nominierung für den deutschen Klangkunstpreis 2013, Skulpturenmuseum Glaskasten Marl, wdr 3 initiative hören
2008 Aufenthaltsstipendium für Klangkunst, Barkenhoff-Stiftung, Worpswede und Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
2004 Jahresstipendium für bildende Kunst, Ministerium für Forschung und Kultur in Niedersachsen

Werke