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Ein neuer Existenzialismus?

4. Dezember 2015

In den Straßen Berlins, vor allem in Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln, fallen sie schon seit längerem auf. Wer darauf achtet, findet sie überall, in den Cafés, Bars, Galerien: Junge Männer, zumeist Anfang/Mitte 20, mit wirr-gepflegten Bärten. Es sind keine kurzen Drei-Tage-Bärte (die sind eher etwas für Business-Typen), auch keine langen Haare, sondern gepflegte, ich schätze: zwei Wochen lange Bärte. In größeren Mengen treten sie vor dem Berghain auf, wo sie brav in langen Schlangen darauf warten, sich dem Urteil des Türstehers auszusetzen. Und sie sind alle schwarz gekleidet. Es ist nicht das elegante Schwarz der 80er Jahre, es ist vielmehr ein nachlässiges, hingeworfenes, kurz: ein EXISTENZIALISTISCHES Schwarz.

Das erinnert natürlich an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als Sartre und Camus die Philosophie dominierten, Juliette Gréco tieftraurige Lieder sang und die sperrige Armutsmalerei eines Bernard Buffet die Kunstfreunde in Ekstase versetzte. Leben wir also in der Epoche eines neuen Existenzialismus? Ein junger Künstler (mit Bart), den ich darauf ansprach, meinte, wenigstens die Berghain-Crowd spiele doch eher auf die sexuelle Abart des S+M an, insbesondere im Gay-Bereich. Das hat mich beruhigt, denn von einem wirklichen, tief empfundenen Existenzialismus kann ich ansonsten keine Anzeichen erkennen. Dieser “Existenzialismus” ist kaum mehr als ein geliehenes, übergezogenes Image.

Ein Kommentar

  1. Was geht ab? Die Leute ziehen sich doch nicht etwa nur aus modischen Gründen so an? Tiss, hat man das schonmal gehört? Skandal!

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