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Diese gewaltige Architektur ist wie ein Spiegel der Anmaßungen und Widersprüche, der Katastrophen und Hoffnungen des 20. Jahrhunderts. Als geplanter „Weltflughafen“ Ausdruck von Hitlers Größenwahn, war Tempelhof zugleich modernster Flughafen seiner Zeit; 1935 begonnen, wurde der Bau 1941 kriegsbedingt eingestellt und erst 1962 vollendet. Im Kalten Krieg war Tempelhof Militärbasis der amerikanischen Besatzungs- und Schutzmacht, Schauplatz der Luftbrücke, Symbol des Überlebenswillens des freien Berlins und schließlich Ort des Glamours im West-Berlin der fünfziger bis siebziger Jahre.

Mit seinen vielen Facetten ist Tempelhof das ideale Objekt für den Fotografen Maximilian Meisse. Ihn interessiert nicht nur die äußere Form der Fassaden und Interieurs; er spürt den dahinter liegenden Geschichten nach, und das heißt in erster Linie: es geht ihm um die Menschen, die hier gestaltet und gelebt haben – und weiterhin präsent sind, auch wenn sie in den Fotos nicht vorkommen.

Haupteingang
Haupteingang

Die Aufnahmen, so klar und übersichtlich sie sind, stellen viele Fragen. Was verbirgt sich hinter den mächtigen Mauern? Und wie passt das zusammen: drückende Monumentalität und gelungene, präzise Baudetails, kühne Trägersysteme aus Stahl und Beton und wuchtige, klassizistische Steinfassaden? Auch der Architekt Ernst Sagebiel lebte in zwei Welten: bevor er 1933 mit Görings Luftfahrtministerium für die Nazis tätig wurde, leitete er im Büro Erich Mendelsohn die Errichtung einer Ikone des Neuen Bauens, des Columbushauses am Potsdamer Platz.

Meisse bleibt nicht beim wehrhaften Äußeren und den repräsentativen Innenräumen stehen, er geht weiter, zu den zahllosen Treppenhäusern und verlassenen Hotelzimmern, und tiefer, hinab in die Bunker. Er legt die hilflosen Versuche der Nachkriegszeit bloß, den ideologisch kontaminierten Bau zu verbergen und zugleich weiterhin zu nutzen. So wurde die monumentale Eingangshalle in der Höhe um zwei Drittel verkürzt, und der oberhalb der neuen Decke liegende, mit kostbarem Travertin verkleidete Bereich diente als Steinbruch für die Reparatur der Kriegsschäden und die Vollendung der Empfangshalle. Und die bundesrepublikanische Moderne des Restaurants und VIP-Bereichs ist an Trostlosigkeit kaum zu überbieten.

Wenn wir zusammen mit Maximilian Meisse durch dieses – nach dem Pentagon – weltweit zweitgrößte Bauwerk streifen, so können wir, wie der Fotograf, nur staunen, uns wundern, vielleicht auch bewundern. Sogar die jüngste Volte in der an Wendungen reiche Geschichte des Flughafengeländes hat Meisse erfasst, obwohl sie zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht abzusehen war: Unser letztes Foto zeigt das Naturparadies des stillen Vorfelds, das seit der Verwandlung in einen wahren Volks-Park den Namen „Tempelhofer Freiheit“ trägt.

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Die Fotos sind in drei Varianten erhältlich:

Format 30 x 45 cm, Rahmen aus Eichenholz, mit Passepartout, 60 x 60 cm:  950 Euro

Format 54 x 81 cm, kaschiert auf Forex, Rahmen aus Eichenholz, mit Passepartout, Museumsglas, 75,5 x 102 cm:  1.900 Euro

Format 130 x 200 cm, rahmenlos, kaschiert hinter Acrylglas (Diasec):  5.200 Euro

biographie

1969 geboren in Kassel, lebt und arbeitet in Berlin
1990-96 Architekturstudium an der Universität Stuttgart und an der ETH Zürich bei Prof. Hans Kollhoff, Diplom bei Prof. Walter Maria Förderer
1997-98 Mitarbeit im Grafikatelier Ott + Stein, Berlin
1998-2004 Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros, u. a. als Projektleiter bei jessenvollenweider architektur
2007-10 Lehraufträge in Kassel und Cottbus
seit 2004 Tätigkeit als freischaffender Fotograf
Freie Projekte, Publikationen von Bildbänden, Ausstellungen
Auftragsarbeiten für Architekten, Projektentwickler und Fachzeitschriften

Ausstellungen

2016 Change of Perspectives – Positionen zeitgenössischer Architekturfotografie, Aedes Architecture Forum Berlin (Gruppenausstellung)
2015 Domestic Space 3, Galerie Zweigstelle Berlin (Gruppenausstellung)
Ready Places Berlin 2000-2013, Carpentier Galerie, Berlin (Gruppenausstellung)
2014 Venetian Settings, Galerie f 75, Stuttgart
2013 Venetian Settings, Carpentier Galerie, Berlin
2012 Museumsinsel Berlin, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Berlin
2011 Tempelhof, Galerie f 75, Stuttgart
Tempelhof, Henn Galerie, München
2010 Ready Places, Zentrale der Landesbank Berlin
2008 Tempelhof, Tammen Galerie, Berlin

publikationen

2014 Ready Places Berlin, Ernst Wasmuth Verlag
2012 Venetian Settings, Ernst Wasmuth Verlag
2011 Museumsinsel Berlin, Ernst Wasmuth Verlag
2008 Tempelhof, Ernst Wasmuth Verlag, nominiert für den Deutschen Fotobuchpreis 2009

Für weitere Informationen gehen Sie bitte zur Website von Maximilian Meisse

Tempelhof

2006-2008

Fotografien

Kaufinteresse