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Diese kühl kalkulierten, mathematisch konzipierten Werke stehen in der Tradition des Konstruktivismus aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts: Russische Künstler wie Tatlin oder Malewitsch und Bewegungen wie de Stijl und das Bauhaus standen Pate. Aber auch die andere Seite ist sofort offenbar: Hier gibt es auch das Irrationale, Mystische, das „Sur-Reale“. Seine Gemälde, sagt Christopher Sage, „sind in einer Art von Neurose…“ Ein Zeichen dafür ist ihre gelegentlich schrille, „elektrische“ Farbigkeit, die mit verlassenen, melancholischen Szenerien kontrastiert.

Dieses Spannungsverhältnis setzt sich in den Themen und Motiven fort. Da gibt es etwa den Fortune Teller – was könnte weiter von der Vernunft, gekennzeichnet durch den konstruktivistischen Raum, entfernt sein als das Lesen der Zukuft aus einer Glaskugel? Also lässt Christopher Sage Farbspritzer um die Kugel herumfliegen. Oder die Dreiecks-Konstruktion in Penrose: Diese Figur ist so exakt wie sie unwirklich ist, sie verstößt gegen mehrere Gesetze der Euklidischen Geometrie und lässt sich nicht realisieren. Wir kennen solche Strukturen vor allem durch die Vexierbilder M. C. Eschers, doch einer der Erfinder dieser besonderen „unmöglichen Figur“ ist der Mathematiker Roger Penrose, dessen „Tribar“ Sage zitiert.

Oder nehmen wir die Primzahlen, auf denen große Teile dieses Werks basieren; alle Gemälde haben Primzahl-Maße. Die Primzahl ist völlig eindeutig, es ist eine Zahl, die nur durch 1 und sich selbst teilbar ist. Doch sie steckt auch voller Geheimnisse: So ist ihre Anzahl noch keinesweg ausgelotet, das jüngste Ergebnis ist 2 74.207.281 − 1 , {\displaystyle 2^{74.207.281}-1,} eine Zahl mit 22.338.618 dezimalen Stellen. Auch die Logik der Verteilung von Primzahlen auf dem Zahlenstrahl ist noch unverstanden. Viele meinen, die Primzahl sei das Schönste, was die Mathematik zu bieten habe.

Einer der Begründer des Konstruktivismus ist Paul Cézanne, der die Natur auf die geometrischen Figuren Kugel, Kegel und Zylinder zurückführte, was Sage in After Cézanne illustriert. Zu seinem Schluss kam der Impressionist, nachdem er immer und immer wieder dasselbe Motiv, die Montagne Sainte-Victoire, abgebildet hatte. Am Ende wird er aufgesogen durch diese Landschaft – er verschwindet im Motiv. The Apprentice zeigt Cézanne am Beginn des Prozesses, als die Figur beginnt, in geometrische Formen überzugehen. In anderen Werken (The Telekenisist, Ribbon) löst Sage Köpfe und Formen in Farb- und Pinselwirbeln auf, wobei sie sich effektvoll von geometrischen Grundrastern abheben.

Christopher Sage zeigt uns die Welt als ein rationales, mathematisches Konstrukt, in dem sich das Irrationale mit einigem Wirbel breit macht – so wie sich die Bild-Räume immer wieder brechen und unterschiedliche Darstellungsformen gegeneinander stoßen. Albert Einstein sagt dazu: Mathematische Theorien über die Wirklichkeit sind immer ungesichert – wenn sie gesichert sind, handelt es sich nicht um die Wirklichkeit. Was zählt, ist Intuition.

Werke

Biographie

Geboren 1975 in London, lebt und arbeitet in Berlin

2008 Postgraduate Diplom Bildende Kunst, Universität Reading
1998 BA Abschluss, Universität Reading
Owen Ridley Drawing Prize

Ausstellungen (Auswahl)

E = Einzelausstellung

2016 Double Möbius, Larry’s Show, Berlin (E)
Sie müssen keine Meinung haben, seien Sie einfach nur schön! Schaufenster, Berlin
2015 Arcadia Unbound, Funkhaus, Berlin, auch Kurator
New Adventures in Vexillologie, Kunstverein Amrum
Moabit Mashup, Atelierhof Kreuzberg, Berlin
Grand Finale, Lady Fitness Contemporary, Berlin
2014 Dutch Courage @ 48 Stunden Neukölln, Berlin, auch Kurator
2013 hinterm Tresen… Wesen, Berlin (E)
Tomorrow is Time for the Future, Kunstraum Kreuzberg, Bethanien, Berlin
2012 Death at the Sideshow, REH Kunst, Berlin (E)
Spatiotemporal, Galerie Thomas Crämer, Berlin
AU79, shining dawn, Cube 54, Berlin
2011 We can start a process, Kreuzberg Pavillion Neuköln, Berlin
H.J.K.J.H.G. Skalitzer 140 Temporary, Berlin
2010 Forgeries, The Forgotten Bar Project, Berlin
2009 Jamaica Street Artist & Friends, Bristol City Museum & Art Gallery, Bristol
Cabinet, Gallery 33, Berlin
Import Export, Weissfaktor : raum fur zeitgenössishe kunst, Berlin (E)
2008 InSpuratIon, University of Reading, Reading
MA & Postgraduate Contemporary Art Show, Atkinson Gallery, Somerset
2005 White on White, Window Licker Gallery, Berlin
Spike Island Open, Spike Island Gallery, Bristol
Emporium Cabaret, Invention Arts, Bath

Für weitere Informationen sehen Sie bitte die Website des Künstlers: Christopher Sage