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Die Fülle und Vielfalt dieser Bilder, ihre bunte Farbigkeit, das Gewimmel unterschiedlichster Formen und Strukturen – all dies verdeckt, dass wir es hier mit einer sehr klugen, überlegten Malerei zu tun haben. Das Spontane, ja Chaotische, das den Betrachter beim ersten Hinsehen geradezu überfällt, wird auf den zweiten Blick in sehr geordnete Bahnen gelenkt. Immer wieder gibt es übergeordnete Groß-Formen, die die Kleinteiligkeit gliedern. Am sichtbarsten ist dieses Ordnungsprinzip in den konstruktivistisch-minimalistischen Gebilden, die sich überall in den Bildern finden; einige der jüngsten Großformate bauen auf eindeutigen Diagonalen als Grundstruktur auf.

Forster Herchenbach greift in das bis zum Rand vollgestopfte Füllhorn der Moderne, nimmt sich heraus, was er gerade braucht und arrangiert alles zu einer großen Collage. Da klingen Kandinsky, Klee und Picasso an, grüßt das Comichafte der Pop Art; Mondrians Broadway Boogie-Woogie kommt in den Sinn, ebenso die vom Jazz inspirierten Bilder des Amerikaners Stuart Davis aus den 1930er und 40er Jahren, angereichert mit einem Schuss Jackson Pollock. Eine umfangreiche Serie kleinerer Arbeiten verweigert das Prinzip der stilistischen Einheit vollkommen und setzt ganz auf Diversität.

Ein wichtiger Einfluss ist John Cage, sowohl seine Musikalität als auch die „komponierte“ Leere und Stille, die unsere Alltagsgeräusche zum Klingen bringen. In vergleichbarer Weise sind auch die Leinwände Herchenbachs eine leere Fläche, auf der sich – die Stadt Berlin spiegelt. Hier finden wir die Hektik, das Gewusel, die Vielfalt, die Gegensätze, das Unfertige und Provisorische, den Optimismus und den Rhythmus unserer Metropole, die sich von der Mauer-Stadt zum hippen Zentrum einer neuen Jugend-Bewegung gewandelt hat.

Und Forster Herchenbach, im beschaulichen Schwarzwald aufgewachsen (allerdings von Jugend an mit der Avantgarde-Sammlung Grässlin vertraut): dieser Künstler ist mittendrin. Er besorgt die Bar in einer Szenekneipe, hat als Schlagzeuger bereits drei Bands auf den Weg gebracht (auch Cage gründete ein Schlagzeugensemble!) und ist Mitorganisator des Kunstfestes „48 Stunden Neukölln“, in dem der angesagte Bezirk sich in all seinem künstlerischen und menschlichen Reichtum ausbreitet. Das birst vor Energie, folgt dem Puls und der Dynamik des Lebens. All das finden wir auch in Herchenbachs Gemälden – aufgezeichnet mit der nötigen Distanz des wachen Beobachters.

In seinen Bildern, sagt der Maler in aller Ruhe und Ausgeglichenheit, hat jede Form ihre Berechtigung. Zufall und Planung, Chaos und Ordnung, Intuition und Struktur: Diese Gegensätze sind hier aufgehoben und in einer neuen, kraftvollen Einheit zusammengefügt.

Werke

Biographie

1982 geboren in St. Georgen im Schwarzwald
2002 Umzug nach Berlin
2003 Beginn des Studiums der bildenden Künste, Universität Potsdam
2011 Abschluss des Studiums bei Prof. Meike Aissen-Crewett
2011-12 Lehrer in Spandau
2012 Abbruch der Lehrertätigkeit und Mitarbeit beim Zuhause e.V. / Theater
seit 2013 Organisation der „48 Stunden Neukölln“ – im Zuhause e.V./ Neckarhöfe/ Klunkerkranich/ Fuchs und Elster

Ausstellungen (auswahl)

2016 Wenn die Notwendigkeit besteht, Scandic Hotel Potsdamer Platz, Berlin (Einzelausstellung)
Temporäre Kunsthalle Neukölln, Klunkerkranich, Berlin
Querschnitt 1, Busche, Berlin
Global Forests, Kundo, St. Georgen im Schwarzwald
2015 Blond und Blond Contemporary, Berlin
Rette sich wer Kunst, 48 Stunden Neukölln, Berlin
Letschebach Projekt, Istanbul
2014 Lit golden sky, Blond und Blond Contemporary, Berlin (Einzelausstellung)
48 Stunden Neukölln
2013 48 Stunden Neukölln 
„ZERSTÖRUNG.STRUKTUR.ZUFÄLLIGKEIT.“  Raum für drastische Maßnahmen, Berlin
„not only mirrored – when statues come to live“, art (in) Karlsruhe
2012 Transform, 48 Stunden Neukölln
2011 Fatso Forgotso, Kulturzentrum ZUHAUSE e.V., Berlin
48 Stunden Neukölln, Kulturzentrum ZUHAUSE e.V.
2010 Museum Fluxus Plus, Potsdam
2009 Dynamik, Rhythmik und Bewegung, Ticket-Galerie Nikolaisaal Potsdam 
Transformationen II, Altes Rathaus Potsdam
2007 Skulptur/Plastik, Campus Griebnitzsee Potsdam