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Malerei des Dazwischen

Henri Haakes stille, farbensatte Gemälde sind Bilder des Dazwischen: Sie changieren zwischen Realität und Erscheinung, Atmosphärischem und Greifbarem, Traum und Tag, Heiterkeit und Melancholie, zwischen Gegenstand und Abstraktion, Raum und Fläche. Bezeichnenderweise ist der Strand ein häufiges Motiv: jene transitorische Zone zwischen  ständig sich wandelnden Wasser und festem Grund, umhüllt von diesigem Licht. 

Beziehungen

Insbesondere bezeichnet das Dazwischen die Beziehungen der Figuren, seien sie spielerisch oder bedeutungsschwer, verdeckt oder offen – oder in auffallender Weise nicht vorhanden. Die Figuren bleiben häufig schemenhaft, erscheinen wie Schatten; die wenigen eindeutigen Positionen, etwa der schlagkräftige Boxer auf der einen Seite oder die laszive Frau auf der anderen, unterstreichen nur die allseitige Ambivalenz.

Das offensichtlich benutzte, im Detail aber nicht ausgemalte Doppelbett im verschlossenen Hotelzimmer – Begoro – steht beispielhaft für die vielen Geschichten, die in diesen Bildern angedeutet, aber nicht erzählt werden. Der buntmustrige Fenstervorhang ist für das Auge ereignisreicher als die leere Bettfläche.

Motive

Henri Haake ist ein Globetrotter, er findet die Motive rund um die Welt, an den Stränden Afrikas, in den Bars Kubas und den Straßen New Yorks – oder eben auch nebenan, im heimischen Kreuzberg. Mit genauem, wachem Blick entdeckt er das jeweils Typische, das Klischee: Seien es die Posen der Boxer, Fußballer oder Billard-Spieler, die lässige Haltung des Beach-Boys oder des streetwise “Weird Guy” – es sind Posen, die an die Figurenstudien der klassischen Kunst erinnern. Aber der Künstler trifft – Flamengao – auch die besondere Atmosphäre am Fußballer-Strand von Rio de Janeiro, wo das glasig-dichte Licht sich mit der körnigen Textur des Sandes mischt.

Haltungen

Die Haltung der Figuren ist von besonderer Bedeutung, im doppelten Sinn des Wortes: Zum einen geht es um die körperliche Gestalt, die Art, wie sie sich geben, posieren; zum anderen um die seelische Gestimmtheit: Stehen sie allein oder mit anderen zusammen, schauen sie in sich hinein oder sind sie im Gespräch? Häufig bleiben die Figuren auch innerhalb einer Gruppe isoliert, auffallend etwa beim Fußball: Trotz der Gemeinsamkeit des Spiels steht jeder einzelne der jungen Männer für sich.

Farben

Das Dazwischen gilt auch für das ganz eigene Kolorit. Henri Haake verwendet kaum Primärfarben, in der Regel sind die Töne abgemischt, wirken erdig, wie verwittert. Liefen die Farben in früheren Werkphasen mit kräftigen Pinselstrichen in einander, so stehen sie jetzt zumeist als monochrome Flächen klar abgegrenzt gegen einander. Auf diese Weise bekommen sie einen Eigenwert neben dem Gegenstand, den sie bezeichnen, und es entsteht beinahe so etwas wie konstruktivistische Farbfeldmalerei.

Filme

Es sollte nicht überraschen, dass ein junger Maler des 21. Jahrhunderts nicht nur die Kunstgeschichte als Anregung nimmt, sondern auch Filme. Henri Haake nennt insbesondere die innovativen, gesellschaftskritischen und beziehungsdramatischen Werke Godards, Bergmans und Fassbinders sowie Fellinis “La dolce vita”. Man denkt aber auch an Fellinis “Schiff der Träume” und Viscontis “Tod in Venedig”, oder an Stanley Kubrick: an das Changieren zwischen Realität und Phantastik in “2001 – Odyssee im Weltraum” und das schimmernde Kerzenlicht in “Barry Lyndon”. “Finden Sie nicht auch, dass Frauen etwas Magisches haben?” Diese Frage Jean-Pierre Léauds in François Truffauts “La nuit américaine” lässt sich nahtlos auf die Bilder Henri Haakes übertragen: Auch sie haben etwas Magisches.

Für weitere Informationen sehen Sie bitte die Homepage, die Instagram- und die Facebook-Seiten des Künstlers.

Werke

Biographie

1989 geboren in Lübeck
2007-10 Kurse im Atelier Colour Works, Lee Kozlik, Lübeck
2010-16 Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste, Berlin, seit 2011 Klasse Robert Lucander
2013 Hunter College, New York , MFA
2015 Knispel Preis für Malerei und Grafik
Absolvent an der Universtität der Künste, Berlin
2016 Meisterschülerabschluss, Universität der Künste, Berlin

Lebt und arbeitet in Berlin

ausstellungen (Auswahl)

2016 Berlin Masters, A3, Arndt Art Agency, Berlin
Dialog der Residuen, Köppe Contemporary, Berlin (Soloschau, mit Jeewi Lee)
Querschnitt I, Busche, Berlin
2015  
2014 Umwandlung, Universität der Künste, Berlin
2013 Hunters MFA Open Studio, 205 Hudson St, Studio 358, New York
Nachschlag, Uferhallen, Berlin
Quer, Universität der Künste, Berlin
2012 Roter Rauch, Galerie Manzoni Schäper, Berlin
2011 Berlin – London, Gutshaus Erlenbach, Zürich
Gleichzeitigkeit, Atelier Colour Works, Essig Fabrik, Lübeck

2011-2016 regelmäßige Teilnahme an den Rundgängen der Universität der Künste, Berlin