loading

Ein Schlüssel für diese rätselhaften, geheimnisvollen Werke ist das Prinzip Collage. Joanna Buchowska sucht sich aus den unterschiedlichsten Quellen ihre bildnerischen Details zusammen, kombiniert die disparaten Teile zu einem Gesamtbild und überträgt das Montierte anschließend in Malerei, nicht ohne dabei weitere Veränderungen vorzunehmen. So entstehen Bilder, in denen Ferne und Nähe, Figürliches und Abstraktes, Benennbares und Undefinierbares zusammen kommen, gegen einander stoßen und schließlich eine malerisch-künstlerische Einheit bilden.

Die außergewöhnliche Spannung der Bilder beginnt mit der ganz eigenen Farbigkeit: ein helles bis dunkles Blau öffnet die Bühne in grenzenlose Ferne, ein erdhaftes, hell-sandfarbenes bis dunkel-rötliches Braun verortet das Geschehen in fassbarer Nähe. Hinzu kommen Weiß und Schwarz als die polaren Gegensätze der Farbskala. Auch die Stofflichkeit der Bilddetails trägt zur Spannung bei: weiches Organisch-Kreatürliches kontrastiert mit dem harten Glänzen von Metallischem, manches Detail ist so haptisch gemalt, dass man zugreifen möchte. Und kleine Formen stehen neben überwältigend großen, als wolle das eine das andere verschlingen.

Die Szenerien, die Formen und Figuren öffnen sich vielfältigen Assoziationen, in denen das Fremde und Ungewisse, das Verstörende und Bedrohliche dominieren. Die Bilder sind still; wenig geschieht, doch Außerordentliches ist bereits geschehen. Es sind Bilder nach dem Ereignis; so heißt eine kleine Serie „The Day After“. Die Katastrophe ist da, das Unheil hängt in der Luft. Manches erinnert an Science-Fiction-Dramen oder gar an die Apokalypse, das Ende der Welt. Doch so drastisch das Geschehen wirkt: Wir als Betrachter werden nicht hineingezogen, wir bleiben auf Distanz, erleben nicht das Drama selbst, sondern betrachten ein Tableau, ein Bild.

Das Prinzip Collage öffnet das Feld der Zeichen- und der Erkenntnistheorie. Wie ein Wort seine Bedeutung aus dem Zusammenhang gewinnt, so definieren sich die Details einer Collage aus dem Bildganzen. Das Fragmentarische der Details sowie das Artifizielle der Konstruktion lassen eindeutige Bestimmungen jedoch kaum zu und bekräftigen so den Eindruck des Distanzierten. Schließlich geht es der Künstlerin um Fragen der Erkenntnis: Warum geben wir einzelnen Formen und Farben bestimmte Bedeutungen? Wie lesen wir etwas? Wie verarbeiten Intellekt und Emotion bildnerische Hinweise?

Die Tradition, in der Joanna Buchowska steht, reicht über den amerikanischen Pop-Künstler James Rosenquist, Surrealisten wie Max Ernst, Dalí und Magritte und die Pittura metafisica eines Giorgio de Chirico bis zu den Symbolisten wie Odilon Redon und Gustave Moreau. Dabei sind diese Werke völlig gegenwärtig, gehören vollkommen unserer Zeit an – genauer: dies sind Werke, die über unsere Zeit hinausweisen, es sind Bilder der Zukunft. So apokalyptisch diese Zukunft sein mag: die vollendete Komposition, die ausgewogene Harmonie jedes Werks beschwören das „Prinzip Hoffnung“. „Es kommt darauf an,“ schreibt Ernst Bloch, „das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern.“

Werke

Biographie

Geboren in Oels, Polen; lebt seit 1991 in Berlin

1981 Oberschule der bildenden Künste Oppeln, Diplom für Malerei
1986 Studium der Kunsterziehung, Tschenstochau
1996 Studium an der Freien Kunstschule, Berlin
2000 Ausbildung zur Mediengestalterin, Institut für neue Medien L4, Berlin

stipendien

2016 Aufenhaltsstipendium Herrenhaus Edenkoben, Juror: Prof. Franz Ackermann
2009 Gold Owl, Zlota Sowa Award, Wien
Käte Dorsch Stipendium, Berlin
Artist in Residence, Fiskars, Finnland
2008 Artist in Residence, Gorna Lipnitsa, Bulgarien

Austellungen (Auswahl)

E = Einzelausstellungen

2016 Pophits – covered covers, Austria Auction Company, Wien
Aberratio, Herrenhaus Edenkoben, Edenkoben (E)
Frohe Botschaft, Botschaft, Berlin
2015 RAE – Works In White, Schau Fenster, Berlin
INTER NATION ART, HDLU, Zagreb, Kroatien
All about Eve, Projektraum, Kunstquartier Bethanien, Berlin
Berlin-Klondyke, Editionen, Salon Dahlmann, Berlin
2014 Armillarsphären, Bautzener Kunstverein, Galerie Budissin, Bautzen (E)
Present, by Michaela Zimmer, Projektraum, Kunstquartier Bethanien, Berlin
2013 Berlin–Klondyke, Spinnerei, Leipzig; Gmunden, Salzkammergut
Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen, Leipzig, Nürnberg
Montez in Berlin, Montez in Leipzig, Montez in Nürnberg
2012 remarks, Schau Fenster, Berlin
as deep as you can, Kreuzberg Pavillon, Berlin
North-East of Heaven, Galerie Hartwich Rügen, Sellin
Sehensucht (mach Platz!), Kulturforum am Altenkamp in Schloß Holte-Stuckenbrock (E)
2011 Berlin-Klondyke 2011, Odd Gallery, Dawson City, Yukon; ACLA – Art Center Los Angeles
The Cuts are Allright, Kreuzberg Pavillon mit Skalitzer 140, Berlin
2010 Zeitgenossen haufenweise, Galerie Im Regierungsviertel – Forgotten Bar Project, Berlin
Everybody learns from disaster, Villa Elisabeth, Berlin
2008 Kraj (homeland), Galeria Sztuki Wspolczesnej, Oppeln, Polen
30 gegen 3 000 000, Skulptur und Malerei aus Berlin, Schloss Holte-Stukenbrock
2007 Angerichtet, Galerie Börgmann, Kevelaer
Geboren um Früchte zu essen, Galerie Börgmann, Kevelaer (E)
Without title, mit Annelen Käferstein, Galerie Engler, Berlin (E)
2006 Warm up… young Talents, Galerie Vonderbank, Berlin
2005 Ankommen hiersein weggehen – Bilder einer Reise im Dazwischen, Galerie Schmidt, Berlin (E)
Bambi, fly, Galerie Börgmann, Kevelaer (E)

Für weitere Informationen sehen Sie bitte die Website der Künstlerin: Joanna Buchowska