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Foto: Benjamin Kahlmeyer
Foto: Benjamin Kahlmeyer

In den letzten zehn Jahren hat Nik Nowak eine Reihe von Sound-Objekten produziert, deren größtes den Titel Panzer trägt. Allerdings ist dieses Gefährt höchst kriegsuntauglich, es passt eher in die Disco- und Techno-Szene als auf ein Schlachtfeld.

Ausgangspunkt ist ein japanisches Kettenfahrzeug, ein Bauschutt-Kipper, den Nowak aufwändig umgebaut hat. Die weiß lackierte Außenhaut lässt sich wie eine Haube öffnen und gibt ein 10-Kanal-Mischpult frei, das ein gewaltiges Soundsystem steuert; 13 Lausprecher schießen die Klänge aus einer 4000 Watt mächtigen, höchst raffiniert zusammengebauten Anlage in die Umwelt. Der Sound stammt größtenteils von Nik Nowak selbst, er ist Mitglied von Schockglatze, einem Klang- und Kunst-Kollektiv. Die gewaltigen Bässe gehen bis an die Schmerzgrenze – und darüber hinaus. Dabei hat diese Musik, dieser Klang auch einen bildnerischen Aspekt: Nik Nowak zielt, wie er sagt, auf „die Gestaltung von Raum durch Sound“.

Mit diesem Panzer als Werkzeug schuf Nik Nowak eine Reihe von Arbeiten, die er „Zeichnungen“ nennt: Farbe wird in mehreren Schichten auf Holz- und Aluminium-Platten aufgetragen und von den Panzer-Ketten in rollenden, drehenden Bewegungen abgeschabt. Auf Holz haftet die Farbe gut, so dass sie, mit Abreibungsspuren versehen, weitgehend auf dem Grund verbleibt; auf Aluminium ist die Haftung geringer und die Farbe löst sich in Fetzen.

Die so geschaffenen Bildflächen weisen eine klassische All-over-Struktur auf, ähnlich den drippings von Jackson Pollock. Auch die ablesbare energy verweist auf den Begründer des Action Painting. Der Titel dieser Werke, Dubplates (Torque), zitiert sowohl das Technisch-Mechanische als auch die Musik: Das eine ist das Drehmoment, das andere eine als Einzelstück produzierte Schallplatte, wie sie von DJs verwendet wird. Deren scratchings kennzeichnen die Platten als ihr ganz eigenes, individuelles Produkt.

Die Idee von mehreren deckenden Schichten, die nach und nach aufgerissen werden, hat den Künstler seit jeher begleitet, sowohl in seiner bilderischen als auch in der musikalischen Arbeit; auch in der Musik, sagt er, legen sich die Klänge in Schichten übereinander und öffnen die Türen zu bestimmten Erinnerungen. „Ich fand heraus, dass hinter dieser Methode der Zeichnung, dieser Art des scratching through eine ähnliche Idee steckt, die von Vergessen und Erinnern.“ Auch als er noch gegenständliche Motive nutzte, „waren es immer die Schichtungen, die interessant waren.“

So kommen in diesen Dubplates die verschiedene Aspekte von Novaks Arbeit zusammen: das Kraftvolle – energy – der Maschine und des Sounds, das Rhythmische der Musik und das Intime der Zeichnung. Und das alles, im Gegensatz zum ohrenbetäubenden Klang der Maschinen, in völliger Stille. „Ruhe“, sagt der Künstler, „ist etwas wirklich Schönes – gerade weil sie so ungewohnt ist.“

In Zusammenarbeit mit Alexander Levy, Berlin

Werke

Biographie

NIK NOWAK

geb. 1881 in Mainz, lebt und arbeitet in Berlin

Für eine vollständige Biographie sehen Sie bitte: niknowak.de/cv