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Digitales, handgemalt – rhythmische Geometrie: Mit solchen Stichworten nähern wir uns dem von Spannungen und Gegensätzen geprägten Werk DAGs. Hier steht Schablonen-Raster neben freier Gestaltung, Statik neben Bewegung, Perfektes neben Fehlerhaftem, Technoides neben Natürlichem, das Klischee neben dem Individuellen, prononcierte Gegenwart neben Tradition. DAG nimmt sich die Freiheit, ein Grundgesetz der Moderne zu missachten: die Einheitlichkeit des Stils. Auf den ersten Blick gliedert sich sein Werk in zwei Bereiche: Der eine reflektiert den Konstruktivismus, der andere spiegelt unsere digitalisierte Welt.

Die gemeinsame Wurzel liegt in einer frühen Werkphase, als eine unübersehbare Zahl von Punkten sich zu naturhaften Formationen verdichtet, die an Vogelschwärme oder kosmische Nebel denken lassen. Diese wiederum gerinnen zu klar definierten, allerdings sehr beweglichen geometrischen Formen, die mit dem Effekt des „glitch“ spielen, einer Störung des Pixel-Rasters im elektronisch erzeugten Computer- oder Fernsehbild. Störfälle dieser Art, das Aus-der-Reihe-Tanzen: das findet sich immer wieder in DAGs Werk. Der Künstler bricht die mit so viel engagiertem Rationalismus gestaltete Ordnung auf und gibt den Details ihr eigenes Leben.

Das elektronische Gerät wie auch der kunsthistorische Entwurf sind für DAG so selbstverständliche Bildmotive wie Landschaft oder Stillleben. Wie Cézanne die Montagne Sainte-Victoire, so malt DAG den Konstruktivismus. Jedoch greift er nicht auf dessen klassische Phase vom frühen 20. Jahrhundert zurück, sondern auf die Formen der 1930er und 1940er Jahre, als sich der Heroismus des Beginns bereits zu alltäglichem Ornament gemildert hat. Motive Auguste Herbins und der Bewegung „Abstraction-Création“ finden sich bei DAG wieder, allerdings in spielerischer, leicht ironisierter Weise, was bekräftigt wird durch einzelne Formen, die an kindliche Indianer-Maskierung, an Graffiti und Street Art denken lassen (ein Zusammenhang übrigens, der den Künstler veranlasste, seinen bürgerlichen Namen Przybilla aufzugeben und den „tag“ DAG anzunehmen). Eine weitere Inspirationsquelle ist die konkret-optische Kunst der 1960er und 1970er Jahre, man denke an Bridget Riley oder Victor Vasarely.

Last, but not least: die swingenden Boogie-Woogie-Bilder Mondrians aus den vierziger Jahren. Der holländische Meister liebte es zu tanzen, und er schätzte den Jazz. Damit ist er ganz nahe bei DAG, der seine künstlerische Karriere in den Techno-Clubs Londons und Berlins begann. Er war 1994 beteiligt an „Chromapark“ im Berliner E-Werk, der ersten großen Ausstellung, die sich mit technisch generierter Kunst befasste. Rhythmus und Kunst, Musik und Bild verschmolzen zu einer flirrenden, flimmernden, pulsierenden Oberfläche, die gelegentlich den Pointillismus evoziert.

Das Geordnete des Konstruktiven und das freie, individuelle Gestalten bilden seither die Grundlage von DAGs Werk. Typisch ist ein Bild mit einem festen Grundraster aus winzigen Dreiecken oder Kreisen, die jedoch völlig individuell mit dem Faserstift farblich gefüllt sind. Oder die jüngsten, großformatigen Werke, die dem „glitch“-Effekt am nächsten kommen: Kleine, geometrische Formen, nach strengem Raster seriell aneinander gereiht und dabei immer wieder verschieden, sind integriert in eine fein differenzierte Farbfläche, die dem einen die endlose Tiefe elektronischer Welten, dem anderen eine angenehme Landschaft mit Wiese, Teich und blauem Himmel suggerieren mag.

Werke

Biographie

1964 geboren als Dag Przybilla in Eberswalde (Brandenburg)
1985-89 Studium der Kunsterziehung und Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin sowie Seminare in Malerei und Druckgrafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
2001 Beginn der Solo-Karriere als Künstler
2004 Gründung des Ausstellungsprojekts glue mit Asim Chugtai, seit 2010 in alleiniger Führung

EinzelAusstellungen – Auswahl

2017 It’s all over now 2, Weltecho, Chemnitz
2016 It’s all over now, Bar Babette (autocenter), Berlin
2015 SLOWBURN, Projektraum M1 , Berlin
Minimal Compact, Laura Mars Gallery, Berlin
2014 Double Take, mit Peter K. Koch, Museum Junge Kunst, Frankfurt/Oder
Please Don’t Kill My Vibe…, mit Rebecca Michaelis, Kunsthaus Erfurt
Disclosure, Galerie Hammerschmidt & Gladigau, Erfurt
AND I WAS LIKE …, Gallery hanfweihnacht, Frankfurt am Main
Kimme und Korn, Laden für Nichts, Leipzig, mit Dirk Krecker
Angst essen Farbe auf, mit Hannu Prinz, smac, Berlin
2013 PROP, Laura Mars Group, Berlin
2012 Slow Burn, Galerie Hanfweihnacht, Frankfurt am Main
2011 INCLUSION, Laura Mars Group, Berlin
2008 FAKE BAROQUE, Laura Mars Group, mit Jens Hagen Engelhard
co & coat, Kunsthaus Erfurt, mit Jens Hagen Engelhard
2007 pussy pussy hello hello, Glue, Berlin
2006 Ansätze, Kunsthaus Erfurt
Where Is the Beef? Galerie Asim Chugtai, Berlin
Hängt die Sonne, Galerie Hafen+Rand, Hamburg

Für ein vollständiges Verzeichnis der Ausstellungen sehen Sie bitte die Website des Künstlers: DAG