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Trouble in Paradise – der Titel von Ernst Lubitschs Filmklassiker passt gut zu den Gemälden von Jens Hausmann: Die Schönheit dieser eleganten, luxuriösen Villen in der Tradition des Bauhauses oder des „International Style“ ist gebrochen durch rätselhafte Geheimnisse. Die Zeit scheint still zu stehen, nichts bewegt sich, die Szene ist menschenleer. Das erinnert an die lichterfüllte Verlassenheit eines Eward Hopper, den suspense eines Alfred Hitchcock. So durchsichtig die Häuser mit ihren Glaswänden sind, so viel verbergen sie doch, und so einladend die offenen Ein- und Durchgänge wirken, so bunkerhaft und abwehrend ist das zugleich.

Die Villen in der Nachfolge eines Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier oder Richard Neutra sind Archetypen der Moderne, versehen mit ihren Pathosformeln: Flugdächer, Panoramafester und weite Terrassen mit Pools als Sinnbild vereinnahmter Natur; Glaswände alternieren mit geschlossenen, blockhaften Mauern. Es ist die Idee des Hauses als abstrakte Skulptur. Das Artifizielle der Situation wird betont durch Kunstwerke, die Hausmann gelegentlich einfügt. Hier wohnt der moderne, der „neue“ Mensch; die alte Welt, die er überwunden hat, ist auf einigen Bildern schemenhaft im Hintergrund zu erkennen.

Dem Formelhaften der Architektur setzt Hausmann seine Arbeitsweise entgegen. Zunächst überarbeitet er die in Magazinen oder dem Internet gefundenen – oder auch selbst fotografierten – Images am Computer, dann zeichnet oder aquarelliert er die Motive, um sich von der Foto-Ästhetik zu lösen, und überträgt sie freihändig auf die Leinwand. Der Pinselstrich beim Aufstreichen der Ölfarbe, oft in mehreren Schichten, gibt dem Bild sein Vibrato, lässt es atmen.

Manche Motive stammen aus Brasilien, wo Jens Hausmann sich häufiger aufhält; dort erlebt er den Anspruch der Moderne auf Totalität in zugespitzter Weise. Er beobachtet, wie die demokratische Grundidee der modernen Architektur der Demonstration von Macht, Reichtum und Luxus gewichen ist. Ein Zeichen dafür ist die Materialsichtigkeit des béton brut (Le Corbusier). Das wilde Wuchern der tropischen Pflanzen steht gegen das Bestreben des Menschen, die Welt einem bestimmten Konzept zu unterwerfen. Der alte Kampf Mensch vs. Natur findet hier ein neues Sinnbild.

Details wie tote Bäume oder Schutt von Abriss und Verwitterung, vor allem aber die Dämmerung, das Zwielicht deuten an, dass dieses Arkadien bedroht ist. Et in Arcadia ego, das Bildmotiv des Barock, das den Tod selbst in der romantischsten Paradies-Landschaft ansiedelt, erhält hier in eine zeitgenössische Form. Hausmanns Veduten sind, trotz oder gerade wegen der perfekt konstruierten Schönheit der Villen, zugleich Allegorien des Memento mori, der Vanitas – die Spiegel-Effekte der ausgedehnten Glas- und Wasserflächen unterstützen diesen Gedanken.

So sind die Architektur-Bilder von Jens Hausmann Reflexionen über Schönheit und Verfall, hoffnungsvolle Utopie und banale Realität, Fortschrittsgläubigkeit und skeptische Melancholie.

Werke

Biographie

1964 geboren in Meiningen (Thüringen)
1994-2000 Studium der Bildhauerei und Malerei an der Hochschule für bildende Künste, Dresden
2001 Diplom, Prof. Ralf Kerbach
2004 erster Aufenthalt in Brasilien

Jens Hausmann lebt in Berlin

Einzelausstellungen

2000 „Spirit and Borders“, Galerie Jette Rudolph, Berlin
2001 „Narkose“, Galerie Jette Rudolph, Berlin
2002 „Psychonews“, Spielhaus Morrison Galerie, Berlin
2003 „Zwischenraum“, Galerie Foert Garanin, Berlin
2005 „Deutsche Welle“, Galerie Foert Garanin, Berlin
2006 „Himmel, Wasser, Baum, Haus, Mensch – Ein Spiel“, Galerie Krings-Ernst, Köln
„Heimkino“, Kunsthalle Vierseithof, Luckenwalde
2007 „Traum von Haus“, Galerie Frederik Foert, Berlin
2008 „Kalt, kalt, heiß, heiß“, Galerie Schuster, Frankfurt, mit Isabelle Borges
2009 „Fragile“, Galerie Schuster, Miami
2010 „35 Fragments“, Galerie Schuster, Berlin
2011 „Der unsagbare Raum“, Kunsthaus Meiningen
„Diktatur“, DSV Kunstkontor Stuttgart
2012 „Blind Windows“, Von Fraunberg Galerie, Düsseldorf
„Minimal“, Galerie Schuster, Potsdam
„Fluchtlinien“, Kunstverein Barsinghausen
2013 „In Serie“, Galerie Alte Schule, Ahrenshoop
2014 „Melancholie / Kubricks House“, Kunstraum Unten, Bochum, mit Sven Reile
„Dschungel“, Kunstverein Centre Bagatelle, Berlin
„Jens Hausmann“, Kunststiftung Rügen, Orangerie Puttbus
2015 „Minimal – Fragments“, Galerie Z, Stuttgart
„Around the House“, smac, Raum für Kunst, Berlin, mit Alexej Meschtschanow
2016 „Niemandsland“, Kunsthalle Neuwerk, Konstanz
„Das geheime Zentrum“, Galerie Anja Knoess, Köln
2017 „Jens Hausmann – Vanessa Henn“, Galerie Eigenheim, Weimar
„Raum und Hülle“, Galerie Agnes Reinthaler, Wien

Ein  Verzeichnis der Gruppenausstellungen finden Sie auf der Website des Künstlers.