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Seit einigen Jahren sammelt Azusa Kuno geschnittenes Haar in einem Dutzend Berliner Friseursalons; sie wäscht und verspinnt die Haare und strickt aus den Fäden ein vielgestaltiges, sich ständig erweiterndes Objekt, das um die Themen Körper, Gesellschaft, Gender und Symbol kreist: die „Räume der Haare“.

So selten menschliches Haar als Material in der bildenden Kunst ist, so präsent ist es in der Kulturgeschichte. Seit Jahrtausenden spiegeln Haare und Frisuren die sich wandelnden Gesellschaften, und sie durchziehen Märchen und Mythen; erinnert sei nur an Rapunzel und Lorelei, an Samson und Delila. In jüngerer Zeit kam die Erkenntnis hinzu, dass sich im Haar eines Menschen seine gesamte Struktur und Geschichte abbildet. Jedes Haar ist wie ein grobes Tagebuch des Lebensweges einer Person, ein intimer, persönlicher Spiegel ihres Ichs.

Frühe Skizze (2011)

Entwurf, 2011

Aus einem früheren Architektur-Studium übernahm Azusa Kuno den Gedanken, dass Architektur als Schnittstelle zwischen dem menschlichen Körper und der umgebenden Welt fungiert. Diesen Gedanken führt die Künstlerin mit den „Räumen der Haare“ fort. Sie sieht den Körper als Verkehrs- oder Spielfeld, auf dem sich die Interaktion zwischen dem Ich und „den anderen“ ereignet; dabei bezieht sie sich auf den  Philosophen Emmanuel Lévinas und den Psychologen Jacques Lacan („Alterität“). Das Körperliche ist nicht nur durch das Haar präsent. Mit ihren schlauchartigen Verschlingungen und Verknüpfungen, den Verengungen und Erweiterungen, dem Öffnen und Schließen wirkt die Skulptur, die sich zur Raum-Installation erweitert, insgesamt wie ein körperliches, wachsendes Organ.

Die Haare einzelner Personen sind sorgfältig von einander getrennt, so dass sich eine ständig wechselnde Farbstruktur von hellem Blond über Tizian-Rot bis zu dunklem Brünett ergibt. Die bei einem Studienaufenthalt in Graz hinzugekommenen Haare wurden zu einem eigenen Objekt versponnen, das sowohl für sich steht als auch Teil des Ganzen ist. Die Künstlerin will ihre Arbeit mit Haaren aus anderen Ländern, von anderen Kontinenten kontinuierlich fortsetzen. „Je mehr verschiedene Teile aus verschiedenen Orten existieren,“ sagt sie, „desto schwerer fällt es dem Betrachter letztendlich, die einzelnen Bestandteile zuzuordnen, und das Gesamtbild der Installation ist nicht mehr in seine Einzelteile zerteilbar. Nur so kann meiner Ansicht nach ein Bild des ‚Anderen’ entstehen.“

Interessenten können einzelne Partien der Installation erwerben, sie bleiben jedoch Bestandteil des Gesamtwerks.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website der Künstlerin: Azusa Kuno.

biographie

geb. 1980 iin Aichi, Japan, lebt und arbeitet in Berlin

2012-13 Meisterschülerin bei Christiane Möbus
2008-12 Studium der Bildenden Kunst, Universität der Künste Berlin, bei Christiane Möbus
2003-05 Fortsetzung des Architekturstudiums an der Universität Stuttgart
1995-2001 Architekturstudium am „Toyota National College of Technology“ in Aichi, Japan; graduiert mit japanischem Kousen-Diplom

Ausstellungen

2015 “Tokyo Story 2015”, Tokyo Wonder Site Hongo, Tokio, Japan
2014 “Totality and Infinity, an Essay on Exteriority”, Tokyo Wonder Site c/o Kunstquartier Bethanien, Berlin (Einzelausstellung)
“The Wearable Art Show“, KNIPSU, Bergen, Norwegen
“hortus semper virens”, Haus am Lützowplatz, Berlin
“ROTROTROT”, Schau Fenster – Raum für Kunst, Berlin
“Am Limit”, Kunstraum t27, Berlin
“Die Tragbare Ausstellung”, GaDeWe, Bremen
“Distant Observations. Fukushima in Berlin“, Kunstraum Bethanien, Berlin
“Infinity Jetzt“, Kreuzberg Pavillon, Berlin
2013 “Räume der Haare”, Meisterschülerausstellung, Universität der Künste Berlin
“Traces”, Atelierhof Kreuzberg, Berlin
2012 Absolventenausstellung der Universität der Künste, Berlin
2011 “Baumann & Fuchs”, Anton von Werner Haus, Berlin
“Babel, we are not mad with you”, RONDO, Graz, Österreich
2010 “Geist IV“, Berlin
“Blooomaward 2010 Preisträgerausstellung“, Art Fair 21 Köln, Köln
“Geist III“, Auguststraße, Berlin
“Grand Slam“, Büro Adalbert am Forum Factory Berlin, Berlin

Preise & stipendien

2014 Tokyo Wonder Site, creator in Residence, Kunstraum Kreuzberg Bethanien, Berlin
2013 Stipendium der Bernhard-Heiliger-Stiftung, Berlin
2012 Studienbeihilfe (Sammelstiftung I) von der Akademie der Künste Berlin
2011 Studienabschlussstipendium mit Betreuungsleistung des DAAD
fünfmonatiges Aufenthaltsstipendium des Landes Steiermark, Graz, Österreich
2010 Blooom Award by Warsteiner 2010, Final List, Köln

Räume der Haare

seit 2010

Menschliches Haar

Gerüst: Metall

Format: ca. 5 m Länge x 4 m Breite x 3,5 m Höhe

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