loading

Der französische Schriftsteller Comte de Lautréamont, ein Wegbereiter des Surrealimus, sagt in seinem Roman „Die Gesänge des Maldoror“ über den Jüngling Mervyn, er sei „schön wie das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“. Der in diesem vielzitierten Satz ausgesprochenen, phantastischen Schönheits-Logik folgen auch die hier vorgestellten vier Künstler.

Lange Zeit war der Surrealismus der 1920er Jahre kaum mehr als ein historisches Phänomen. Zwar feierten Figuren wie Salvador Dalí oder Max Ernst stets große Erfolge beim breiten Publikum, doch jüngere Künstlergenerationen vermochten sie kaum zu beeinflussen; spätestens seit der Pop Art galt das Interesse hauptsächlich dem Faktischen, dem Hier und Jetzt und politischen Fragen. Das ändert sich seit einiger Zeit; gerade die Jüngeren, die Mitt-Zwanziger bis Mitt-Vierziger, arbeiten wieder vermehrt im Bereich des Phantastischen, Irrationalen, Über-Wirklichen.

Die Gründe dafür liegen vermutlich zunächst im politisch-gesellschaftlichen Bereich: in einer Zeit voller Umbrüche und Unsicherheiten suchen viele Künstler nach Wegen jenseits der Realität. Aber diese Strategie des Über-Wirklichen bietet auch einige künstlerische Vorteile: Die Produzenten können ihrer Phantasie freien Lauf lassen, mit den unterschiedlichsten Stilen, Darstellungsweisen, Themen und Assoziationen spielen, kurz: einmal ungehemmt der Vorstellungskraft folgen, die ganz eigenen Geschichten erfinden und erzählen.

Unsere Künstler-Auswahl belegt, dass diese Strategie sich nicht in einem Strudel des Irrationalen erschöpfen muss. Im Gegenteil: Diese Künstler – von denen zwei Philosophie studiert haben – sind höchst reflektiert, ihre Werke sind kleine Essays über die Kunst an sich, ihr Wesen, ihre Bedingungen und ihre Geschichte.

Ellen DeElaine schätzt das Kindliche und Spielerische; dabei können ihre Werke auch ins Bedrohliche, Beängstigende kippen. Sie kombiniert die unterschiedlichsten Darstellungsweisen, das Strichmännchen mit dem Fotorealismus, den tiefen Raum mit prononcierter Flächigkeit.

Mike MacKeldey gestaltet wunderliche Porträts. Er geht von vorgefundenen Bildern aus, seien es Werke der Kunstgeschichte oder Illustrierten-Bilder, denen er in weiteren Schritten der Verwandlung und des Hinzufügens die phantasievollsten – und manchmal schauerlichen – Charaktere gibt.

Florian Pelka bedient sich vieler Stories, Märchen und Mythen, seine Themen reichen vom Dreißigjährigen Krieg bis zu einer eigenen „String-Theorie“, von Dornröschen bis Venus und Zeus, die er in überraschende Zusammenhänge bringt. Seine Bilder sind von einer betont artifiziellen, „sur-realen“ Farbigkeit geprägt.

Aaron Rahe, der Jüngste dieser Auswahl, befasst sich intensiv mit Kunsttheorie und der Position des Künstlers, insbesondere des Genies. Als Post-Post-Moderner setzt er sich mit der Idee der Avantgarde und ihrer letzten Ausprägung, der Minimal- und Konzept-Kunst, auseinander.

Künstler