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Janes Haid-Schmallenberg, Graffiti-Surrealismus, Berlin
Janes Haid-Schmallenberg, Graffiti-Surrealismus, Berlin

Groteske Welten

Die Bilder von Janes Haid-Schmallenberg changieren zwischen verzauberten Landschaften und einem skurrilen, grotesken Graffiti-Surrealismus. Sie wechseln zwischen zeitlosen Phantasien und den Kürzeln einer sehr zeitgenössischen urbanen Kultur. Der Künstler erzählt Geschichten – aber welche? Die Nacht, der Traum, das Dunkle und Aggressive kommt darin ebenso vor wie die heitere Tageshelle. Es ist ein munteres Fabulieren, gewissermaßen eine fröhliche, aktualisierte Version von Hieronymus Bosch.

Durch unsere Deutungen sind wir, die Betrachter, am Entstehen der Werke ebenso beteiligt wie der Künstler. Auch wenn es im Bild Tennis eindeutig heißt, „Er ist sauer und hat seinen Tennisschläger kaputt gemacht“, so können doch auch wir diese kleinen, rätselhaften Geschichten vervollständigen und ihnen unseren Sinn geben. Die Ansage „No more lies“ in Family Affair fordert geradezu zum Fabulieren heraus.

Verwunschene Landschaften

In den früheren Werken irrlichtern menschliche Wesen mit überlangen Hälsen, kleinen Köpfen und schmalen Füßen in verwunschenen Gärten, die an die phantastischen Welten des Manierismus erinnern. Stilisierte Pflanzen und Bäume scheinen auf den ersten Blick wie abgestorben, auf den zweiten Blick allerdings winden sie sich höchst lebendig.

Eine besonders eindrucksvolle Erscheinung ist Mme Cœur, die am Anfang unserer Präsentation steht. Mit ihrer herzlichen Wärme bildet sie das Gegenbild zum kopflastigen Monsieur Teste; diese Kunst-Figur Paul Valérys nannte der Künstler vor einiger Zeit als einen Referenzpunkt. Madame Cœur in ihrem roten Gewand ist eine eindrucksvolle, ziemlich mächtige Figur, die zwei Elefanten führt – und alle schweben mit größter Leichtigkeit in den Wolken.

Ausstellung bei Storage Capacité 2017
Ausstellung bei Storage Capacité 2017

Graffiti-Surrealismus

Die neueren Bilder orientieren sich an der Straßen-Kunst der Großstadt, mit ihren Graffiti, Schmierereien und erotischen Kritzeleien – ähnlich jenen, die Cy Twombly an den Wänden Roms und Michel Basquiat in den Straßen und Subways New Yorks gefunden haben. Die Bilder sind angefüllt mit schrägen Figuren und rätselhaften Zeichen, das Groteske wird frecher und nähert sich dem Bösartigen. Das Zeitlose des Phantastischen wird gegenwärtig: Der durch das Bild fliegende Elefant wird ersetzt durch ein Polizeiauto mit Blaulicht – neben einem Dinosaurier.

Die Betrachter können in den Bildern spazierengehen, sich in vielen Details verlieren und ihre eigenen Geschichten finden. Gleichzeitig wird auch die Malerei selbst zum Inhalt. Manches ergibt sich aus dem Prozess des Malens: die Pinselstriche, Zeichen und Farbflächen reagieren aufeinander. Wir sollten uns durch die skurrilen, grotesken Formen und das Kindliche nicht täuschen lassen: Diese Bilder haben einen Zug ins Große, ins Monumentale. Darum ist auch das Großformat kein Zufall. Bei allen skizzenhaften Kürzeln sind diese Bilder nicht zuletzt eines: großartige Malerei.

Bitte beachten Sie auch: 
ein Interview mit dem Künstler in Art Verge,
die Ausstellung bei Storage Capacité mit einem kurzen Auftritt von MC Bomber,
sowie ähnliche Künstler in unserer Online-Galerie: Joanna Buchowska, Boris Eldagsen und Florian Pelka.

Werke

Biographie

1988 geboren in Warstein, lebt und arbeitet in Berlin

2005-13 Kunstakademie Düsseldorf, bei Prof. Siegfried Anzinger
2010 Meisterschüler
2013 Akademiebrief

ausstellungen (Auswahl)

E = Einzelausstellung

2015 Vivisektion, Galerie der Volksbank Weinheim, Sammlung Baumgartner, Weinheim (E)
Demerol – Das Comeback des Jahres with S.Lis und M.Thiel, Argh!, Berlin (E)
Berlin Bozen Connection, Studio Chrom, Bozen
2014 Bocca Della Verità, Epicentro-Art, Berlin (E)
2013 Fisch und Fröhlich, Galerie Villa Köppe, Berlin (E)
100 Jahre Amerika with Christian Korda, Warum Verlag, Berlin (E)
2012 German Kleinformat, Neter, Mexico City
German Kleinformat Vol. 3, Raum Pilot Projekt für Kunst e.V., Düsseldorf
Central Horizon, Penny Temporary, Neumünster
Neuankäufe – Kunst aus NRW, Museum Kornelimünster, Aachen
New Kids on the Block, Neu-West-Berlin, Berlin
Show of the Week, Freies Museum, Berlin
2011 Die Böse Laune der Guten Miene, Essential Existence Gallery, Leipzig
Ich kann kein Bier mehr sehen, Galerie Grundeinkommen, Berlin
Lupi with Dejan Spasovski und Johannes Kithil, Jagla Ausstellungsraum, Köln
Bahnhof Anzinger, Galerie Geuer und Breckner, Düsseldorf
2010 Müssen, Können, Wollen, mit Wanda Koller, Intervall, Köln (E)
Sie haben gerade erst angefangen, Oktoberbar, Düsseldorf
Und immer fehlt mir etwas, und das quält mich, Kunstgruppe, Köln
Muss ja auch nicht sein, mit D.Spasovski und J. Kithil, Raum Kalk, Köln (E)
Von mir aus, Kunstgruppe, Köln
Sonderschicht, Kunstverein Oberhausen, Oberhausen
2009 Sonderausstellung, Garage Gereonswall, Köln
Sigi, Lichthof Köln, Köln
2008 Das Zeitung, Projektraum Open, Düsseldorf
2007 Und immer fehlt mir etwas, und das quält mich, Werkstatt Graz, Graz
2006 Über Frauen, mit Oliver Kolibabka und Satoshi Kojima, Citadelle, Düsseldorf (E)

Für weitere Informationen sehen Sie bitten die Website des Künstlers: Janes Haid-Schmallenberg