loading

Was geschieht, wenn. Eine Frage ohne Fragezeichen. Einem der Werke Striebels sind die Worte eingeschrieben: “Aber wohin!”. Eine Frage mit Ausrufungszeichen. Eindeutig: Diese farbige Konzept-Kunst aus Berlin befasst sich mit Logik, mit dem Sinn von Worten. Andere Begriffe, die Striebels Kunst prägen, sind: Farbe, Licht, Raum, Bewegung. Es sind Begriffe, die sich mit dem Wesen von Kunst befassen. Drei frühe Werke, es sind die ersten in unserer Präsentation, zeigen beispielhaft die Fragen und Themen, die den Künstler seit drei Jahrzehnten beschäftigen.

Farbe, Licht, Worte, Raum, Bewegung

Der großformatige “Red Curtain” hat mit dem Vorhang ein altes Motiv der Malerei. Wird er geöffnet, entfaltet sich dahinter ein kleines Abbild der Welt – eben das, was Kunst immer ist. Gleichzeitig ist das Werk selbst ein Abbild, das Bild eines Vorhangs, und zwar, da es ein Foto ist, ein höchst exaktes. Hinzu kommt die Illusion, die Kunst häufig erzeugt. Wir meinen, dass wir auf eine glatte Oberfläche schauen, in der sich das Licht spiegelt, doch diese Spiegelung ist ebenfalls fotografiert, es ist also eine abgebildete Spiegelung. Unsere Assoziation des Theaters deutet auf ein Prinzip, das in Striebels Kunst immer wieder vorkommt: die Bewegung, die Handlung.

Das zweite Werk, “Bildbegriff”, spielt in ironischer Weise mit den Worten, mit denen die Kunst “begriffen” werden soll. Das gilt gerade für Deutschland mit seiner großen philosophischen Tradition. Doch oft genug wird die Kunst damit nicht erklärt, sondern geradezu erschlagen. Wie mit den dicken, schwarzen Balken dieses Werks. In den mehrteiligen Arbeiten “Decoration – Declaration” und “Aber wohin!” sind Worte eingefügt, die in ihrem Sinn jedoch unverständlich bleiben. Diese Arbeiten stehen auch für das Prinzip des Wandels in Striebels Werk: Die einzelnen Tafeln lassen sich in vielfältiger Weise zusammensetzen.

Das Gegenstück dazu ist der heiter-bunte “Auftrag”, eine Reihe quadratischer Tafeln mit wechselnden Farbstreifen, die wie ein Fries oben an der Wand entlang laufen. Diese farbige Konzept-kunst aus Berlin spielt mit der Wandelbarkeit von Kunst und dem Eingriff des Betrachters: Die Tafeln lassen sich untereinander austauschen oder auch in mehreren Räumen anbringen. Oder einige Tafeln werden zur Seite gestellt und warten dort auf eine neue Form der Hängung.

Erinnerungsbilder

Die beiden Werke “Gertrud” und “Frank” nehmen die Idee der Farbstreifen auf, die Bildtafeln sind jedoch fixiert. In “Frank” liegen die grauen und schwarzen Streifen horizontal: das Gemälde ist das Memorial für einen verstorbenen Freund.

In den Installationen erkundet Striebel den Raum als Entfaltungsmöglichkeit der Kunst. Farbe und Licht begleiten den Betrachter, der hier zum Benutzer wird, beim Gang durch die Räume und bieten in ihrem Wechsel immer wieder neue Impressionen. “Silbergrau” scheint mit seinen flirrenden Wänden und dem Spiegel ganz aus Licht und Reflexion zu bestehen. Diese Arbeiten, für betimmte Gegebenheiten entwickelt, lassen sich auch auf andere Situationen übertragen.

Unser letztes Werk untersucht in vier Variationen die Schattierungen, die eine bestimmte Farbe annehmen kann. Das rote Quadrat als Grundlage bleibt stets gleich, die darüber gelegten verschiedenfarbigen Folien geben ihm sehr unterschiedliche Charaktere. Dies ist eine wirklich farbige Konzept-Kunst aus Berlin.

Werke

Biographie

geboren 1953
Studium an der Akademie Stuttgart und der Hochschule für bildende Künste Hamburg
Masterstudium am Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin
lebt seit 1983 in Berlin

Stipendien und Förderungen

1984 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
1985-86 Graduiertenstipendium des DAAD für Italien
1988 Karl Schmidt-Rottluff Stipendium
1990 Arbeitsstipendium des Senators für Kulturelle; Angelegenheiten, Berlin
1991 Atelierstipendium Künstlerhaus Bethanien, Berlin
1994 Deutsches Studienzentrum, Venedig
2004 Projektförderung der Senatsverwaltung für Kulturelle; Angelegenheiten, Berlin
2009 Katalogförderung der Stiftung Kunstfonds, Bonn

Einzelausstellungen

1983 Pankehallen, Berlin
1986 Marginalia delle Forme d´Arte, Turin
1987, 1989 Galerie Vayhinger, Radolfzell (K)
1989 Galerie Anselm Dreher, Berlin (K)
1990 Galerie Conrads, Neuß
1991 Fleetinsel 71/72, Hamburg
1992 Künstlerhaus Bethanien, Berlin (K)
Galerie Theuretzbacher, Wien
Galerie Vayhinger, Radolfzell (K)
1993 Galerie Theuretzbacher, Wien (K)
1994 Galerie Anselm Dreher, Berlin
1996 Galerie Theuretzbacher, Wien
Galerie Vayhinger, Radolfzell
1997 Galerie von Tempelhoff, Karlsruhe
Element, Berlin
2000, 2001, 2004 Galerie Quinque-Wessels, Berlin (K)
2004 Mies van der Rohe Haus, Berlin
2006 Mannheimer Kunstverein (Pl)
2008, 2009, 2010 März Galerie, Mannheim, Cube 4 x 4 x 4
2009 Haus am Lützowplatz, Berlin
2010 Galerie 149, Bremerhaven
2012 Künstlerhaus Sootbörn
2013 Kunstverein Erlangen
2014 KunstRaum K25, Ulm; Verein für aktuelle Kunst / Ruhrgebiet e.V., Oberhausen

Gruppenausstellungen

1986 Haus der Kunststiftung, Stuttgart (K)
1988 “W-ORTE”, Galerie der Künstler, München (K)
“vom alten Westen zum Kulturforum”, NGBK, Berlin (K)
1989 weltbekannt e.V., Hamburg (K)
1991 “Mit Fotografie”,  Galerie Conrads, Neuß
“The Artist´s Beautiful Language”, Galerie Anselm Dreher, Berlin
Karl Schmidt-Rottluff Stipendiaten, Kunsthalle Düsseldorf (K); “Interferenzen”, Riga und St. Petersburg (K)
1993 Galerie Theuretzbacher, Wien (K)
1995 Karl Schmidt-Rottluff Stipendiaten, Kunsthalle Düsseldorf (K)
1998 “Le Futur du Passé”, Hameau du Lac, Sigean
1998-99 “Fleeting Portraits”, NGBK, Berlin (K)
2002 “Bildbetrachtung”, Galerie Quinque-Wessels, Berlin (K)
2006 Galerie für Konkrete Kunst, Potsdam; “Layout”, Art Forum Berlin,
2008 März Galerie, Mannheim, Projektraum 4
2010 Drei Positionen aktueller Farbmalerei, Berlin
2012 Art Karlsruhe, März Galerie, Mannheim
2013, 2014, 2015 März Galerie, Mannheim
2015 „Quersumme“, Mannheimer Kunstverein

Projekte

1997 Neue Mitte Potsdam: Installationsentwurf des Schloss-Standortes Potsdam. In Zusammenarbeit mit Joppien-Dietz Architekten, Rainald Angelis und Barbara Willecke. Erster Preis, (nicht realisiert)
2008 Guestbook”, Manifesta 7, Bozen. Zusammen mit Valentina Sartori, Sylvia Marzall und Luis Fernandez Pons
2010 Der Sauener Wald – Ein von Künstlern gestalteter Audioguide. Zusammen mit Mattia Bier, Valentina Sartori und Sabrina Schleicher
2012 Künstlerseiten des Mies Haus Magazins, Periodikum zur Kultur der Moderne
2015 Permanente Fensterarbeit für Vermittlungsstelle_b